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Glossar
Die zentralen Begriffe der stoischen Philosophie, von Apatheia bis Telos.

Adiaphora
Äußere Dinge, die weder gut noch schlecht sind, weil sie nicht in unserer Macht liegen und das tugendhafte Leben nicht bestimmen.

Akrasia im stoischen Sinn
In der stoischen Praxis: das Versagen der Prosoche, bei dem das Hegemonikon trotz intellektueller Einsicht einem falschen Urteil (doxa hamartanē) nachgibt statt es abzulehnen.

Amor Fati
Liebe zum Schicksal — das anzunehmen, was geschieht, weil es geschieht.

Anamelete
Das untrainierte oder unbewachte Denken; der Zustand, in dem das Hegemonikon ohne askesis und kathexis bleibt und daher verletzlich für falsche Meinungen bleibt.

Ananke
Die kosmische Notwendigkeit oder das Unausweichliche – das Prinzip, dass bestimmte Leiden und Begrenzungen nicht Fehler, sondern Struktur des Kosmos sind.

Andreia
Tapferkeit — die Kraft, beim Richtigen zu bleiben, wenn es unbequem wird.

Antikeimenon
Das Entgegenstehende, das äußere Hindernis oder die widrige Umstand, die dem stoischen Weisen als Prüffeld seiner inneren Haltung dient.

Apatheia
Freiheit von zerstörerischen Leidenschaften, nicht Gefühllosigkeit.

Apochē
Die Enthaltung von Urteil oder Zustimmung, wenn Klarheit nicht gegeben ist.

Apokatastasis
Die zyklische Wiederherstellung des Kosmos in seinen ursprünglichen Zustand nach einer ekpyrosis, bei der sich alle Ereignisse exakt wiederholen.

Aporia
Der Zustand intellektueller Ratlosigkeit, in dem die gewohnten Denkwege versperrt sind und die Grundlagen bisherigen Wissens sich auflösen.

Apotrepsis
Die aktive, bewusste Abwendung von Lastern und schädlichen Gewohnheiten durch Umlenkung der Aufmerksamkeit, bevor sie Wurzeln schlagen.

Aprosopeia
Innere Unabhängigkeit gegenüber dem Urteil anderer; rationale Abkehr von der Notwendigkeit, äußere Billigung zu suchen.

Aproxdiairesis
Das, was nicht zur Wahl steht; alles außerhalb unserer inneren Entscheidungsgewalt Liegende.

Areté
Tugend, Vortrefflichkeit — das einzige unbedingte Gut für den Stoiker.

Askesis im Kontext kontinuierlichen Trainings
Die wiederholte, zielgerichtete Übung des Denkens, Urteilens und Handelns zur Verfestigung tugendhafter Reaktionen.

Assent (Rationale Zustimmung)
Der bewusste Akt der rationalen Billigung einer Vorstellung (Phantasia), durch den das Hegemonikon ein Urteil fällt und damit zur inneren oder äußeren Handlung übergeht.

Ataraxia
Tiefe innere Ruhe, Unerschütterlichkeit gegenüber äußeren Ereignissen.

Autarkeia
Die Fähigkeit und der Zustand der Selbstgenügsamkeit und inneren Unabhängigkeit vom äußeren Schicksal.

Bonum
Das Gute; in der stoischen Philosophie ausschließlich die Tugend selbst, nicht externe Güter oder Vorteile.

Chrysipp
Der dritte Scholarch (Schulleiter) der Stoa und bedeutendster systematischer Denker der frühen Stoa.

Daimon
Der innere Geist oder die Seelenkraft eines Wesens, die dessen eigentliche Natur und rationales Vermögen verkörpert.

De Beneficiis
Senecas philosophisches Werk in sieben Büchern über das Wesen der Wohltat, Gabe und Großzügigkeit.

De Ira
Seneças dreiteiliges Werk über die Natur, Ursachen und Heilung des Zorns (Ira).
