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Nero – Der Kaiser im Schatten der Stoa
Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus (37–68 n. Chr.) war der fünfte römische Kaiser und der letzte Vertreter der julisch-claudischen Dynastie. Seine Herrschaft, die von 54 bis 68 n. Chr. dauerte, ist in der Geschichtsschreibung vor allem durch Exzesse, politische Verfolgung und den legendären Brand Roms im Jahr 64 n. Chr. geprägt – doch besitzt Nero einen bemerkenswerten, wenn auch indirekten Bezug zur Geschichte der stoischen Philosophie.
Verbindung zur Stoa: Epaphroditus und Epiktet
Der Faden, der Nero mit der stoischen Tradition verknüpft, führt über seinen mächtigen Freigelassenen Epaphroditus, der als kaiserlicher Sekretär (ab epistulis) eine der einflussreichsten Positionen am Hof innehatte. Epaphroditus war der Besitzer des Sklaven Epiktet (ca. 50–135 n. Chr.), der später zu einem der bedeutendsten stoischen Philosophen der Antike aufstieg. Die antike Überlieferung berichtet – wenngleich nicht zweifelsfrei belegt –, dass Epaphroditus Epiktets Bein mutwillig oder fahrlässig brach, woraufhin Epiktet mit stoischer Gelassenheit reagiert haben soll: Er habe seinen Herrn gewarnt, das Bein werde brechen, und als es geschah, ruhig festgestellt, er habe es ja gesagt. Diese Anekdote illustriert auf eindrucksvolle Weise das stoische Kernprinzip der apatheia – der inneren Unerschütterlichkeit gegenüber äußerem Schmerz.
Nero selbst stand philosophischen Strömungen ambivalent gegenüber. Zwar erhielt er in seiner Jugend Unterricht bei Seneca dem Jüngeren, einem der herausragendsten Vertreter der römischen Stoa, doch blieb von Senecas Einfluss in Neros Regierungspraxis wenig übrig. Im Jahr 65 n. Chr. zwang Nero Seneca nach der Aufdeckung der Pisonischen Verschwörung zum Suizid – ein Ende, das Seneca mit stoischer Würde vollzog.
Herrschaft und Untergang
Neros Regentschaft begann vielversprechend unter dem Einfluss Senecas und des Prätorianerpräfekten Burrus, eine Phase, die Historiker als quinquennium Neronis bezeichnen. Mit zunehmender Machtfülle wandte sich Nero jedoch von philosophischer Mäßigung ab: Er ließ seine eigene Mutter Agrippina die Jüngere ermorden, verfolgte Christen und Senatoren und verfiel einem kostspieligen Kult um seine Person als Künstler und Gott.
68 n. Chr. erhoben sich die Provinzen gegen ihn. Vom Senat zum Staatsfeind erklärt und ohne Unterstützung, beging Nero Selbstmord – mit den überlieferten Worten: „Qualis artifex pereo" („Als was für ein Künstler sterbe ich!"). Für die Stoiker seiner Zeit war sein Leben ein mahnendes Exempel: der Tyrann als Gegenbild zum philosophischen König, sein Hof als Brutstätte jener Leidenschaften, die die Stoa zu überwinden lehrte.
Erwähnt in 12 Artikeln

Prosangeia: Wenn das Hindernis zum Weg wird

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