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Galen von Pergamon
Galen (griechisch: Γαληνός, Galēnos) wurde um 129 n. Chr. in Pergamon, einer der bedeutendsten Städte der römischen Provinz Asia, geboren. Als Sohn des wohlhabenden Architekten Nikon erhielt er eine umfassende Ausbildung in Philosophie, Mathematik und Rhetorik, bevor er sich der Medizin zuwandte. Er studierte in Smyrna, Korinth und Alexandria, den damaligen Zentren medizinischen und philosophischen Wissens, und kehrte schließlich nach Pergamon zurück, wo er als Gladiatorenarzt tätig war – eine Stelle, die ihm wertvolle Einblicke in Anatomie und Wundversorgung verschaffte.
Um 162 n. Chr. zog Galen nach Rom, wo er schnell Ruhm erlangte und schließlich Leibarzt mehrerer Kaiser wurde, darunter Marcus Aurelius – selbst einer der bedeutendsten stoischen Philosophen der Antike. Diese enge Verbindung zum kaiserlichen Hof spiegelt sich auch in Galens intellektuellem Profil wider: Er bewegte sich souverän zwischen den großen philosophischen Schulen seiner Zeit.
Bezug zur stoischen Philosophie
Obwohl Galen selbst kein bekennender Stoiker war und die Philosophenschulen kritisch betrachtete, ist sein Werk untrennbar mit der stoischen Gedankenwelt verknüpft. Er referierte und kommentierte stoische Lehren ausführlich, insbesondere im Kontext der Affektenlehre (pathos). Besonders bedeutsam ist seine Auseinandersetzung mit dem Konzept der deuteria pathē (δεύτερα πάθη, „zweite Affekte" oder „Folgeaffekte") – ein Begriff aus der stoischen Ethik, der jene Emotionen bezeichnet, die nicht als primäre, irrationale Leidenschaften gelten, sondern als nachgeordnete, potenziell vernunftgemäße Regungen des Weisen. Durch Galens medizinisch-philosophische Schriften, allen voran Peri ton idion pasion („Über die eigenen Leidenschaften") und Peri ton pasion kai amartimaton, sind diese Konzepte überliefert und für spätere Generationen zugänglich geblieben.
Galen vertrat die Ansicht, dass Körper und Seele in engem Wechselspiel stehen – eine Position, die sowohl mit stoischer als auch platonischer Tradition in Berührung stand. Seine Drei-Seelen-Lehre, beeinflusst von Platon, stand in produktiver Spannung zur monistischen stoischen Seelenkonzeption, und eben diese kritische Auseinandersetzung machte ihn zu einem wichtigen Vermittler und Kommentator stoischen Denkens.
Bedeutung und Nachwirkung
Galens Gesamtwerk umfasst über 300 Schriften, von denen noch rund 150 erhalten sind – ein Monument antiker Gelehrsamkeit. Sein Einfluss reichte weit über die Antike hinaus: Im arabischen Mittelalter und in der europäischen Scholastik galten seine medizinischen Lehren als nahezu unbestreitbare Autorität. Als Brückenfigur zwischen Medizin und Philosophie sicherte er die Überlieferung stoischer Konzepte in eine Zeit, in der das originale Schrifttum der Stoa bereits weitgehend verloren zu gehen drohte. Galen starb um 216 n. Chr. in Rom.

