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Wenn Macht sich selbst belohnt: Trumps Milliardenfonds für Kapitolstürmer
Donald Trump plant einem Bericht zufolge einen Milliardenfonds, der Verbündete entschädigen soll, gegen die die US-Justiz ermittelt hat. Epiktet kannte Menschen wie Trump: Machthaber, die glauben, Gerechtigkeit sei verhandelbar. Was er darüber dachte, bleibt erschreckend aktuell.

Was ist passiert?
Donald Trump plant nach übereinstimmenden Medienberichten die Einrichtung eines Milliardenfonds, der Personen aus seinem politischen Umfeld entschädigen soll. Betroffen sind demnach Verbündete, gegen die die US-Justiz im Zusammenhang mit dem Sturm auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021 ermittelt hatte oder gegen die Verfahren eingeleitet worden waren.
Zeit Online berichtete am 14. Mai 2025 unter Berufung auf diese Berichte, dass der Fonds explizit für politisch nahestehende Personen konzipiert sein soll, nicht als allgemeines Justizkorrektiv. Konkrete gesetzliche Grundlagen oder Finanzierungswege des geplanten Fonds wurden in den vorliegenden Berichten nicht im Detail erläutert.
Demokratische Politiker reagierten scharf. Sie bezeichneten das Vorhaben als "wahnwitzige Korruption" und sehen darin einen weiteren Schritt, staatliche Mittel und Institutionen für den Schutz politischer Gefolgsleute zu nutzen. Rechtliche Experten weisen darauf hin, dass ein solcher Fonds verfassungsrechtliche Fragen aufwirft, insbesondere hinsichtlich der Gewaltenteilung und der Unabhängigkeit der Justiz.
Der Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar 2021 gehört zu den bestdokumentierten politischen Ereignissen der jüngeren US-Geschichte. Über 1.200 Personen wurden in diesem Zusammenhang angeklagt, Hunderte verurteilt. Trump hatte bereits zu Beginn seiner zweiten Amtszeit zahlreiche Teilnehmer des Kapitolsturms per Begnadigung aus der Strafhaft entlassen. Ein Entschädigungsfonds würde darüber hinausgehen und finanzielle Wiedergutmachung für erlittene Prozesskosten oder andere Schäden leisten.
Das Weiße Haus äußerte sich bislang nicht offiziell zu den Plänen. Die Berichte stützen sich auf anonyme Quellen aus dem politischen Umfeld Trumps.
Die stoische Perspektive
Marc Aurel schrieb in seinen "Selbstbetrachtungen" (Buch IV, 3): "Die Menschen suchen Rückzugsgebiete für sich auf dem Land, am Meer, in den Bergen. Auch du pflegst danach zu sehnen. Das aber ist durchaus ein Zeichen von Unbildung. Denn du kannst dich, wann immer du willst, in dich selbst zurückziehen."
Er meinte damit nicht Gleichgültigkeit gegenüber dem Unrecht in der Welt. Er meinte, dass der Ort unserer inneren Freiheit nicht von äußeren Umständen abhängt, nicht von Kaisern, Fonds oder Gerichtsurteilen anderer. Wer das versteht, hat einen Anker, den ihm niemand wegnehmen kann.
Der geplante Trump-Fonds ist ein Lehrstück über das, was die Stoa als Korruption der Vernunft durch Leidenschaften beschreibt. Nicht Korruption im moralischen Volksmund-Sinn, sondern im technischen stoischen Sinn: Wenn ein Mensch, der Macht besitzt, sie ausschließlich für die Bewahrung seiner eigenen Sphäre einsetzt, handelt er nicht nach der Vernunft (logos), die die Stoa als Maßstab aller Entscheidungen setzt. Er handelt nach Affekt, nach dem Impuls, Loyalität zu belohnen und Gegner zu bestrafen.
Epiktet, der als Sklave begann und später eine Schule der Philosophie gründete, war mit solchen Machtmechanismen vertraut. Er schrieb in seinem "Handbüchlein" (Encheiridion, Kapitel 1): "Von den Dingen sind die einen in unserer Macht, die anderen nicht. In unserer Macht sind: Urteil, Antrieb, Begehren, Abneigung." Was Epiktet damit sagt, ist unbehaglich präzise: Dass Trump einen Fonds plant, liegt nicht in unserer Macht. Wie wir dieses Faktum beurteilen und wie wir darauf reagieren, liegt vollständig in unserer Macht.
Das klingt nach Rückzug, ist aber das Gegenteil. Die stoische Dichotomie der Kontrolle befreit nicht von politischer Verantwortung, sie präzisiert sie. Ein Bürger, ein Jurist, ein Journalist, der angesichts dieses Vorgangs resigniert, hat Epiktet falsch gelesen. Was in unserer Macht liegt, ist die Klarheit des Urteils, die Formulierung des Widerspruchs, die Weigerung, Unrecht durch Schweigen zu normalisieren.
Hier liegt ein echter Widerspruch zur bequemen Stoa-Rezeption: Viele lesen die Stoa als Philosophie der inneren Ruhe und deuten das als Aufruf zur Passivität gegenüber politischen Verhältnissen. Marc Aurel selbst war Regent eines Weltreichs. Er führte Kriege, entschied über Leben und Tod, reformierte das Rechtswesen. Innere Ruhe war für ihn nicht Abstinenz von der Welt, sondern die Voraussetzung dafür, in ihr handlungsfähig zu bleiben.
Was an Trumps Fonds-Plan philosophisch interessant ist, geht über den konkreten Fall hinaus. Es ist die Frage, wie eine Gesellschaft mit Institutionen umgeht, die sukzessive ihrer ursprünglichen Funktion entfremdet werden. Die Stoa hatte dafür einen Begriff: kathêkon, die angemessene Handlung, die aus der Vernunft folgt und auf das Gemeinwohl ausgerichtet ist. Wer staatliche Mittel nutzt, um politische Loyalität zu monetarisieren, handelt nicht im kathêkon. Er handelt im eigenen Vorteil und nennt es Gerechtigkeit.
Seneca, der selbst ein reicher Mann am Hof des Kaisers Nero war und die Spannung zwischen Macht und Tugend aus nächster Nähe kannte, formulierte es in seinen "Epistulae morales" (Brief 47): "Ita fac, mi Lucili: vindica te tibi." Tu es, mein Lucilius: Befreie dich für dich selbst. Nicht von der Welt. Für dich selbst. Das bedeutet: Behalte die Klarheit des eigenen Urteils, auch wenn die Welt um dich herum anfängt, Unrecht für normal zu erklären.
Tagesgedanke
Was andere mit ihrer Macht tun, liegt nicht in deiner Hand; wie klar du darüber urteilst, liegt vollständig in deiner.
Quelle: Zeit Online, Originalartikel
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