Appearance
Vierzig Jahre an der Macht: Was Musevenis siebte Amtszeit über die Vergänglichkeit politischer Kontrolle lehrt
Ugandas Präsident Yoweri Museveni wurde für eine siebte Amtszeit vereidigt und regiert das Land damit seit vier Jahrzehnten. Wer unter Systemen lebt, die sich dem eigenen Einfluss entziehen, stellt sich unweigerlich die Frage: Was bleibt mir, wenn ich nichts ändern kann?

Was ist passiert?
Yoweri Museveni wurde am 12. Mai 2025 in Ugandas Hauptstadt Kampala für seine siebte Amtszeit als Staatspräsident vereidigt. Der 81-Jährige regiert Uganda ununterbrochen seit 1986, als er nach einem Guerillakrieg die Macht übernahm. Mit dieser neuen Amtszeit verlängert sich seine Herrschaft auf mindestens 45 Jahre.
Der Sieg bei den Präsidentschaftswahlen im Januar 2025 war von Anfang an umstritten. Oppositionsgruppen, internationale Beobachter und Menschenrechtsorganisationen dokumentierten Unregelmäßigkeiten: Einschüchterung von Wählern, Behinderung der Opposition und die Unterdrückung unabhängiger Medien in der Wahlkampfphase. Musevenis schärfster Herausforderer, der Musiker und Politiker Robert Kyagulanyi, bekannt unter dem Namen Bobi Wine, hatte bereits bei der Wahl 2021 Betrugsvorwürfe erhoben und war damals unter fragwürdigen Umständen unter Hausarrest gestellt worden.
Die Wahlkommission erklärte Museveni offiziell zum Sieger mit deutlichem Vorsprung. Die Opposition erkannte das Ergebnis nicht an. Proteste wurden von Sicherheitskräften aufgelöst, mehrere Oppositionsvertreter verhaftet.
Uganda ist mit rund 50 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder Ostafrikas. Museveni genießt in Teilen der ländlichen Bevölkerung nach wie vor Rückhalt, insbesondere wegen wirtschaftlicher Stabilisierung und seiner Rolle im regionalen Sicherheitsgeschehen. Kritiker hingegen verweisen auf Korruption, die systematische Beschneidung von Pressefreiheit und demokratischen Grundrechten sowie auf zunehmende Repression gegen LGBTQ-Personen, nachdem Uganda 2023 eines der weltweit härtesten Anti-Homosexualitätsgesetze verabschiedete.
Die internationale Reaktion auf die Vereidigung fiel verhalten aus. Die Europäische Union und mehrere westliche Regierungen hatten nach der Wahl im Januar kritische Erklärungen veröffentlicht, ohne konkrete Konsequenzen zu ziehen. Museveni selbst bezeichnete internationale Kritik wiederholt als Einmischung in innere Angelegenheiten.
Die stoische Perspektive
Vier Jahrzehnte Herrschaft eines Einzelnen werfen eine Frage auf, die weit über Uganda hinausgeht: Wie hält man seine innere Integrität aufrecht, wenn das politische System, in dem man lebt, sich jedem eigenen Einfluss zu entziehen scheint?
Epiktet, der als Sklave geborene und später freigelassene Philosoph aus Hierapolis, kannte diesen Zustand aus eigener Anschauung. Sein gesamtes Denken kreist um eine Unterscheidung, die er als das Fundament menschlicher Freiheit betrachtete: Was liegt in unserer Macht (eph' hêmin), und was nicht (ouk eph' hêmin)? Im ersten Buch der Discourses, Kapitel 1, schreibt er: "In unserer Macht stehen Meinung, Antrieb, Begehren, Abneigung. Nicht in unserer Macht stehen Körper, Ruf, Amt, Besitz."
Diese Unterscheidung klingt zunächst nach Resignation. Sie ist das Gegenteil davon. Epiktet beschreibt keinen passiven Rückzug aus der Welt, sondern eine präzise Kartierung des Möglichen. Wer in einem autoritären System lebt und sich ausschließlich auf das konzentriert, was er nicht kontrollieren kann, vergeudet seine Energie an einer Wand. Wer jedoch klar sieht, was ihm verbleibt, handlungsfähig bleibt in diesem Bereich.
Für Ugandas Opposition und Zivilgesellschaft bedeutet das nicht, Unrecht zu akzeptieren. Es bedeutet, nicht die eigene Würde und das eigene Urteilsvermögen von einem Wahlergebnis abhängig zu machen. Bobi Wine kann entscheiden, ob er seine Stimme erhebt. Er kann nicht entscheiden, ob Museveni vereidigt wird.
Seneca denkt in eine andere Richtung, die ebenso relevant ist. In seinem Brief an Lucilius, Brief 77, schreibt er über die Illusion, Macht verleihe Beständigkeit: "Omnia, Lucili, aliena sunt, tempus tantum nostrum est." Alles gehört anderen, Lucilius, nur die Zeit gehört uns. Museveni hat vierzig Jahre regiert. Er wird nicht vierzig weitere regieren. Kein Amt, keine Verfassungsänderung und keine Wahlbehörde kann an dieser Tatsache etwas ändern. Die Frage ist nicht, ob seine Macht endet, sondern was er in der verbleibenden Zeit damit macht, und was diejenigen, die unter ihr leben, in der Zwischenzeit aus ihrem eigenen Leben machen.
Hier liegt ein blinder Fleck im stoischen Denken, den man nicht verschweigen sollte. Die Dichotomie der Kontrolle wurde von Männern entwickelt, die zwar oft unter politischem Druck standen, aber nicht systematisch an politischer Teilhabe gehindert wurden. Für eine Uganderin, die ihre Stimme abgibt und sieht, wie das Ergebnis manipuliert wird, greift die schlichte Formel "konzentriere dich auf das, was du kontrollieren kannst" zu kurz. Marcus Aurelius schrieb seine Meditationen als Kaiser, nicht als Unterdrückter.
Die ehrlichere stoische Antwort liegt bei Cato dem Jüngeren, dem Politiker, der sich Caesars Machtübernahme konsequent widersetzte, bis der Widerstand physisch unmöglich wurde. Cato zog nicht den Rückzug ins Innere vor. Er handelte, bis er nicht mehr handeln konnte, und entschied dann über das Einzige, was ihm verblieb. Seine Geschichte ist kein Vorbild für Selbstaufopferung, sondern für das genaue Wissen darüber, welcher Widerstand zu welchem Moment sinnvoll ist.
Für die Menschen in Uganda, die heute unter einer Herrschaft leben, die sie nicht gewählt haben, lautet die stoische Frage nicht: "Wie akzeptiere ich das?" Sie lautet: "Was kann ich tun, was ich verantworten kann, mit dem, was mir bleibt?" Das ist eine offene Frage, die jeden Tag neu beantwortet werden muss.
Tagesgedanke
Wer seine innere Haltung an äußere Ergebnisse knüpft, gibt seine Freiheit genau dort ab, wo er glaubt, für sie zu kämpfen.
Quelle: BBC World, Originalartikel
QuelleBBC World →
