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Kenostasis beschreibt in der stoischen Psychologie den Zustand, in dem das leitende Vermögen (Hegemonikon) bewusst in einem Zustand der Nicht-Entscheidung verharrt. Anders als Ataraxia (Seelenruhe als Frucht der Tugend) oder Apatheia (Freiheit von Leidenschaften) ist Kenostasis ein aktives Sich-Enthalten von Urteilen – eine Art innere Leere, die entstehen kann, wenn man einer Phantasia bewusst weder zustimmt noch widerspricht. Sie ist eine Zwischen-Zustand, eine vorbereitende Haltung für die kritische Prüfung (Proskehe) von Eindrücken und steht dem kontinuierlichen Schweben zwischen Impulsen näher als dem Erreichen von Eudaimonia.

